wissenswert_berichte_jones2

Von Frank Jones, einem der führenden Terrierspezialisten Englands, vormals “professional handler”, Besitzer und Züchter unserer Rasse, Journalist für DOG WORLD, Autor und internationalem Richter.

Robert Leighton beschreibt in seinem “New Book of the Dog “(1922) den Irish Terrier wie folgt: “Es gibt Rassen von mehr ästhetischer Schönheit, andere die vielleicht friedliebender sind, aber unser rothaariger Freund hat statt dessen eine einzigartige Art und Weise das Herz seines Besitzers zu gewinnen, – er verdient es sich durch stetige und fast selbstverständliche Ergebenheit. Der Irish ist gerade groß genug, um sein Kinn auf das Knie seines Besitzers zu legen, und zu ihm aufzublicken, wobei die Tiefe seiner Seele sich in seinen dunklen Augen spiegelt. Auch ist er bekannt für seinen außergewöhnlichen Mut und seine stets aufmerksame Haltung.”

Sicherlich sind das alles Gründe, warum seine Anhänger diese sehr alte Rasse lieben. Die Geschichte berichtet, daß die Irish Terrier zuerst in Dublin (1874) ausgestellt wurden. Die Klassen waren für Irish Terrier über und unter neun engl. Pfund Gewicht ausgeschrieben. Seit seiner bewegten Vergangenheit ist kein Zweifel daran, daß die Rasse enorme Fortschritte gemacht hat. Die komplette Rassegeschichte findet ihren Niederschlag im Rassestandard. Eine unterhaltsame Literatur sowohl für den Anfänger als auch für den engagierten Richter. Neuzeitliche Bücher, besonders die aus Amerika, sind lediglich eine Reproduktion früherer Werke, denn man hat zu den Originalausgaben nur ein wenig über die Erziehung des Hundes hinzugefügt.

Frank Jones mit Eng. & Int. Ch. Ben’s Heir RamlaKommt die Frage auf, ob sich die Rasse im Laufe der Zeit im Typ und Erscheinungsbild geändert hat, so muß diese bejaht werden. Akzeptiert man aber diese Trends, dann unterstützt man unsinnige Veränderungen. Die Ursache ist jenseits des atlantischen Ozeans zu suchen: Amerikanische Züchter haben die Form des Kopfes geändert, indem sie diesen länger und schmaler machten. Diese Veränderungen haben die Auswirkung, daß gerade der für die Rasse so wichtige Ausdruck ruiniert wurde, der eigentlich den Irish Terrier zu dem macht, was er ist, ein O`Irish Terrier*. Dieses neue Erscheinungsbild der Kopfform geht nicht konform mit dem Standard des Irish Kennel Club oder des Kennel Club Englands. Warum muß man Dinge, die bereits seit Jahrzehnten Bestand haben, verändern? Warum sich hier einmischen? So ergibt sich konsequenter Weise die Frage, wie das überhaupt möglich war. Wurden andere Rassen eingekreuzt? An dieser Stelle sei der Hinweis auf die Fragwürdigkeit des Ganzen gestattet und es sei dahingestellt inwieweit die Ahnentafeln von solchen Hunden überhaupt noch zutreffend sind? Und dies alles vor dem Hintergrund, daß Schafe erst kürzlich geklont wurden!!! Aber was soll diese Manipulation an einer seit langem etablierten Hunderasse? Zu welchem Zweck? Die einzige Antwort hierauf ist, daß die Rasse “verschönert” werden sollte. In Wahrheit aber ergibt diese “neue Version” zwar hervorragende Terrier, elegant und in farbintensiven roten “jackets” mit flüchtigem Erscheinungsbild, aber man muß sich deutlich fragen: Sind das noch Irish Terrier?… Der Purist sagt nein!

* Das bedeutet, daß ein “O`Irish Terrier” nur ein “Abkömmling” eines echten Irish ist.
“Of Irish” = vom “Irish” stammend. (O`Connor ist in Irland ebenso typisch wie das Mc`Larren in Schottland)

Fährt man fort die Erläuterungen von Robert Leighton zu lesen, so ist vor allem das Temperament des Irish Terriers einzigartig. Hier sei wiederum dieser viel gelesene Autor zitiert: ”Er ist in allererster Linie der treue Begleiter des Menschen, gleichermaßen geeignet für ein Leben in der Stadt wie auf dem Lande. Er hat eine abgehärtete Konstitution, braucht nicht verzärtelt zu werden. Lehrt man ihn, gehorsam zu sein, sich als Gentleman zu bewegen, dann gibt es keinen besseren Haushund. Seiner Natur nach ist er intelligent und leicht zu erziehen, ein idealer Gefährte für die Kinder. Seine ungestümen Gemütsbewegungen lassen ihn manchmal sein Nackenfell sträuben, nie bleibt er etwas schuldig, wenn man ihn herausfordert. Beim Sport ist er ein Dämon, ebenso geschickt an Land wie im Wasser. Er wird alles, was sich auf vier Beinen bewegt und einen Pelz trägt, angreifen. Ratten sind seine Todfeinde”. Eine Beschreibung, die kein anderer hätte treffender formulieren können.

Eine häufig auf Seminaren diskutierte Fragestellung, zu der ich hier gerne Stellung nehmen möchte; ist folgende: Was kommt an erster Stelle, Typ oder Soundness? Was diese Entscheidung angeht darüber sollten Anfänger, angehende wie etablierte Richter genau nachdenken und sich darüber hinaus auch der Konsequenzen, die daraus folgen, bewußt sein. Bis zum heutigen Tage hat noch niemand meine Aussage widerlegen können, welche auf meiner langjährigen Erfahrung beruht: “Jeder Mischling kann ohne weiteres den Test für “Soundness“ passieren. Die Kernfrage aber ist, ob man diesen Hund damit einer bestimmten Rasse zuordnen kann?

Typ ist ein mißverständlicher Ausdruck, der bei vielen Rassen falsch interpretiert wird. Typ ist das, was man einfach ausgedrückt als die Merkmale einer Rasse bezeichnet, eine gewisse Art, der allgemeine Charakter einer Rasse, das Wesen, kurzum alle die Eigenschaften, die eine Rasse zu der macht was sie ist. Also die Essence einer Rasse, der genaue Kern oder auch die besonderen Merkmale. Weiter ist dem nichts mehr hinzuzufügen. Manche Richter schreiben in ihre Beurteilung: “dieser Hund nicht mein Typ”. Jede Rasse hat ihren Typ, aber viele Richter neigen zu einem bestimmten Typ. Der Grund ist, daß sie vielleicht einen Hund solchen Typs selber mal vorgeführt haben oder dahingehend ausgebildet worden sind. Bis jetzt ist das vorhandene Zuchtmaterial noch wirklich akzeptabel, zuweilen sogar von hervorragender Qualität, was dazu führt, daß in Verbindung mit dem Rassestandard, welcher hauptsächlich als Richtlinie dient, die persönliche Vorliebe des Richters entscheiden mag.

wissenswert_berichte_jonesFrank Jones beim Richtereinsatz in Helsinki 1989 – Atlantis von der Emsmühle, Handlerin: SaineDas Ausstellen und Handling unterscheidet sich bei jeder Rasse. Jeder Hund ist ein Individium und somit verschieden. Jeder Handler, Besitzer und Aussteller weicht in seiner Auffassung über die Art und Weise des Ausstellens von dem anderen ab. Die Voraussetzungen für ein gutes Handling sind abhängig von einer Reihe eng miteinander verknüpften Faktoren: Selbstbewußtsein, Einstellung, Kenntnisse, Erfahrung und Training sowie letztendlich dem Hund am Ende der Leine. Ein im Ausstellungsring an der Leine hochgezogener Hunde sagt einem Richter während des Richtvorganges eine ganze Menge: Es handelt sich um einen schwer zu kontrollierenden Hund, es läßt auf eine schlechte Angewohnheit beim Vorführen schließen oder auch, daß der Aussteller etwas zu verbergen hat, wie möglicherweise ein extrem schlechtes Gangwerk. Durch ein intensives Training könnten die zwei zuerst genannten Punkte ausgemerzt werden, aber einen Hund verbessern, der ein schlechtes Gangwerk besitzt, ist unmöglich. Hier ist jedes Training fruchtlos, ganz egal wieviel man übt. Aus diesem Grund ist es besser, so wie ich es bevorzuge und selbst gezeigt habe, den Hund an einer losen Leine vorzuführen, aber selbstverständlich so, daß er, wenn notwendig, augenblicklich wieder unter Kontrolle gebracht werden kann. Einen Hund an einer losen Leine vorzuführen ist mit Sicherheit eine Art Kunst. Das erfordert Selbstbewußtsein und ein gutes Verständnis für die eigentliche Aufgabe. Wer die ihn begleitenden Hunde allerdings so trainiert hat, daß diese in der Bewegung hochgezogen werden, hat hierbei die Tatsache übersehen, daß, wenn die Vorderbeine des Hundes nicht die Erde berühren, schnell der Eindruck eines völlig unbalanciertes Hundes hinterlassen wird. Demnach ist es in jedem Fall besser, seinen Hund natürlich laufen zu lassen und darauf zu hoffen, daß der Richter den Fehler im Gangwerk vergibt. Ein gut präsentierter Hund zieht schlichtweg das Auge des Richters auf sich.

Die Feststellung wie eine korrekte Fellbeschaffenheit auszusehen hat, ist eine Frage der Erfahrung. Der versierte Richter unterscheidet sich von dem unerfahrenen vor allem bei der Beurteilung eines Irish Terriers, der in einem ganz kurzen Fell gezeigt wird. Im übertragenen Sinne kann man sagen, daß ich einst ein “Wilderer” war und nun bin ich ein “Wildhüter” (vom Handler zum internationalen Richter) und aufgrund dieser Tatsache bin ich mir voll über die Gründe bewußt, warum manche Irish Terrier in zu kurzem Fell gezeigt werden. Die Gründe liegen auf der Hand: Keine ausreichende Zeit und Arbeit wurde für die Vorbereitung des Hundes in Top-Ausstellungskondition mit korrekter Fellbeschaffenheit investiert. Es handelt sich um Anhänger einer Modeerscheinung, die Vorliebe eines Richters oder der Grund ist, daß man einen schweren Hund leichter erscheinen lassen will. Manche Aussteller nutzen diese Möglichkeit des kurzen Fells, um den Ausstellungshund zu färben und versuchen so den Richter zu täuschen. Festzuhalten bleibt, daß allerdings nur manchmal ein Experte des Färbens den Richter täuschen kann, denn die Praxis lehrt, daß grundsätzlich nicht alle Körperteile die gleiche Farbe haben können. Da ich niemals ein Anhänger von Modeerscheinungen war, möchte ich bei meinen Entscheidungen als Richter einen Hund sehen, der in korrekter Fellänge und in einer ausgereiften Farbe gezeigt wird. Das sind zwei Voraussetzungen, die unmöglich von jemandem zustande gebracht werden können, der den Versuch unternimmt zu färben.

Ein perfekt getrimmter Hund kann auf den ersten Blick manchen Jungzüchter täuschen. Das Trimmen ist eine Kunstform, die nur im Laufe der Zeit von einem Anfänger zu einer gewissen Kunstfertigkeit gebracht werden kann. Dies erfordert allerdings eine Menge Geduld, Ausdauer und Wissen. Zum Abschluß möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben, daß die, die heute vorn stehen ebenfalls einmal angefangen haben (at the grassroots), nur daß sie den festen Willen hatten erfolgreich zu werden.

Übersetzung Karina Kirch