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Für viele Züchter eine ganz einfach zu beantwortende Frage.

Der nähere, der billigste, der liebste, der mit den freundlichsten Besitzern, der mit dem niedlichsten Gesicht, der eigene und – gerade in neuester Zeit ganz modern – der mit den wenigsten Ausstellungserfolgen.

Antworten die bei potentiellen Käufern nur eins hervorrufen sollten: Skepsis, ganz große Skepsis. Denn ein Maxim galt und gilt in jeder züchterischen Tätigkeit auch weiterhin:

Zum Züchten ist das Beste gerade gut genug!

Darum möchte ich hier geraden unseren Jungzüchtern einige Leitlinien an die Hand geben, die ihnen dabei behilflich sein sollen den richtigen Rüden für die eigene Hündin zu finden. Dabei sind es nicht nur meine eigenen Erkenntnisse die ich in der 30 jährigen Geschichte meiner züchterischen Tätigkeit erfahren habe. Oft wurden gerade in Gesprächen mit anderen Züchtern, nicht nur Terrierzüchtern, wichtige Erfahrungen ausgetauscht.

Das Grundmodell ist oft das gleiche. Eine Hündin ist vorhanden mit der jetzt gezüchtet werden soll. Die erste Aufgabe ist es jetzt diese Hündin offen und ehrlich zu analysieren. Beim Phänotyp (äußeren Erscheinungsbild) gestaltet sich das noch einigermaßen einfach. Allerdings muss man hierbei ehrlich zu sich selbst sein. Jeder Hund hat Fehler. Gerade die eigene Hündin, oft nicht aus der Option gekauft einmal damit zu züchten, weißt einige auf. Über diese Fehler sollte man sich ganz im Klaren sein. Ein dicker Kopf ist nun mal ein dicker Kopf und weiches Haar bleibt weiches Haar. Falsch wäre es jetzt einen Deckrüden auszusuchen, der über einen übertrieben schmalen Kopf oder extrem hartes Haar verfügt. Hier ist immer das Optimum das Ziel. D.h. gerade in den Punkten in denen ihre Hündin ihre Schwächen besitzt sollte der Deckrüde nahe am Standard sein. Dies gilt für alle Standardpunkte.

Kommen wir jetzt zum Genotyp. Das ist das was ihre Hündin vererben könnte. Denn sie muss nicht immer das vererben was ihrem Phänotyp entspricht. Z.B.: Sie selbst hat hartes Haar, ihre beiden Elternteile und die Hälfte ihrer Geschwister weiche Haare, dazu kommt das bei ihren Groß- und Urgroßeltern dieses weiche Haar auch schon vorkam. So spricht viel dafür dass auch sie weiches Haar vererben kann. Es ist also immer von Vorteil wenn man die Linien aus denen die eigene Hündin gezüchtet wurde genau kennt. Wir suchen also jetzt einen Rüden mit hartem Haar (Phänotyp). Hier taucht aber jetzt dieselbe Frage auf wie vorher schon bei der Hündin. Vererbt er auch dies harte Haar oder hat er womöglich Vorfahren mit weichen Haaren? Sie merken, die Kenntnisse über die Ahnen ist von unschätzbaren Wert und je mehr Ahnen man persönlich gesehen hat um so wertvoller. Wir würden in diesem Fall einen Rüden einsetzen der selbst hartes Haar hat und in dessen Ahnenreihe verstärkt hartes Haar vorkommt.

Bisher hierher haben wir im Genotypbereich nur mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet. Jetzt kommt ein Aspekt hinzu der die Sache relativiert.

Nachzuchtkontrolle:

wissenswert_deckruede_2_500Bleiben wir bei obigem Beispiel mit dem Haar. Da wir vermuten, dass unsere Hündin weiches Haar vererben könnte, suchen wir einen Rüden der selbst hartes Haar hat, dessen nächste Verwandten überwiegend auch hartes Haar haben und dessen Nachkommenschaft überwiegend mit hartem Haar zu überzeugen weiß. Sind dies nur 2 Kinder von ihm die ihnen bekannt sind, ist diese Aussage kritisch zu betrachten. Weiß er aber 30, 40 und mehr Kinder vorzuweisen die mit hartem Haar bestechen ist dies eine sehr wertvolle, wenn nicht die wertvollste Information.Das Prinzip der Nachwuchskontrolle können sie natürlich auch auf ihre Hündin anwenden. Allerdings ist die Aussage nur sehr beschränkt ein zu setzten, auf Grund der geringen Anzahl der Nachkommenschaft.

Sie merken hier schon wie diffizil dies Thema wird wenn wir mehr als ein Merkmal (wie hier das Haar) einsetzen. Kommen noch Merkmale wie Ohren, Augen, Kopf, Schulter, Rutensitz, Bewegung etc. hinzu wird es kritisch. Sollten sie in der glücklichen Position sein eine Hündin zu besitzen, die aus einer Zuchtstätte stammt, die auf eine sauber durchgezüchtet Linie geachtet hat, so erleichtert sich die Suche um ein Vielfaches. Der Züchter kennt sehr wohl die Schwächen und Stärken seiner Linie und wird dies Wissen gern mit ihnen teilen.Darum gilt grundsätzlich: Sprechen sie mit alten und erfolgreichen Züchtern. Orientieren sie sich nicht an denen die noch heute auf ihren ersten großen Erfolg warten und einen Ausnahmehund, der von sich Reden macht, noch züchten müssen. Die haben nur große Sprüche aber in ihrer züchterischen Laufbahn nichts geleistet. Gehen sie offen und ehrlich auf die erfolgreichen Züchter zu und bitten um Hilfe. Natürlich muss man sich Vertrauen erst verdienen, aber gerade für diese Züchter sind ihre Hunde ein Stück ihres Lebens geworden und sie haben ein immenses Interesse daran ihr Wissen an seriöse Menschen weiter zu geben.

Gerade für Jungzüchter oder Züchter die nicht so sehr in der Materie stehen ist es daher immer von Vorteil Deckrüden ein zu setzen, die ihr Zuchtpotential bereits unter Beweis gestellt haben. Deckrüden die durch ihre Nachzucht beweisen, dass sie gesunde, wesensfeste und rassetypische Welpen zeugen sind immer zu bevorzugen. Unbekannte und noch nicht oder nur wenig eingesetzte Rüden sind ein va banque Spiel. Gerade Jungzüchter sollten dieses Risiko nicht eingehen, den sie stehen nachher in der Pflicht gegenüber ihren Welpenkäufer. Denn bitte welche Antwort haben sie parat wenn ein unglücklicher Welpenkäufer sie genau das fragt.

Ich höre sie jetzt schon schreien: Verengung des Genpools, popula-sire-effekt etc. All diesen Neunmalschlauen halte ich entgegen: Unsere Irish Terrier gehören zu den gesündesten Hunderassen die es gibt. Wir haben keine nennenswerten Erbkrankheiten bei unserer Rasse. Schaut euch die Ahnentafel unser großen Vererber in unserer Rasse an, die dass begründet haben und lernt sie zu lesen. Gerade die internationale Zusammenarbeit bietet heute riesige Chancen. Natürlich wird dies nicht der Züchter leisten können, der alle 2-3 Jahre mal ein Wurf mit seiner Hündin zieht. Er muss sich auf die Züchter verlassen können die über viele Jahre schon erfolgreich für die Rasse arbeiten, auch international. Und glauben sie denn wirklich von denen würde nur einer etwas tun was einen Nachteil für die Rasse bringen könnte?

Ich sage noch mal: Wir haben eine überaus gesunde Rasse. Helfen sie mit, dass es auch so bleibt. Machen sie sich die Mühe und suchen nach dem passenden Rüden auch wenn er viele Kilometer entfernt wohnt. Versuchen sie das Vertrauen eines über viele Jahre erfolgreichen Züchters zu erringen und profitieren sie von seiner Erfahrung.

Seit dem es in der modernen Welt das System der kontrollierten Hundezucht gibt, seitdem ist die Organisation von Hundeausstellungen als deren Qualitätssicherung und –kontrolle installiert. Darum definiert sich eine erfolgreiche Zuchtstätte darüber, dass sie über Jahre gesunde, wesensfeste und rassetypische Hunde züchtet und diese erfolgreich ausstellt.

Hans Grüttner
Irish-Terrier von der Emsmühle